A. E. Glasewald - GAGO

Direkt zum Seiteninhalt
LAND & LEUTE > PERSÖNLICHKEITEN
Persönlichkeiten des Altenburger Landes
Artur Ernst Glasewald
1861-1926
Arthur Ernst Glasewald wurde am 2. August 1861 in Gößnitz als ältester Sohn des Buchhändlers Arthur Glasewald geboren. Nach Beendigung der Schulzeit ging er bei seinem Vater in die Lehre und lernte Buchbinder. Bis 1880 ging er als Geselle auf Wanderschaft, dann machte er sein Hobby zum Beruf. Bereits als Kind hatte er seine Liebe zu den Briefmarken entdeckt, von seinem Vater, welcher 10 Jahre durch Skandinavien gereist war, hatte er den Grundstock zu einer Sammlung erhalten, erweitert durch amerikanische Briefmarken von seinem dort lebenden Onkel. Also arbeitete Glasewald zunächst von 1880 bis 1883 beim Buchhändler Löwenthal in Kassel in dessen neugegründetem Briefmarkengeschäft. Wohl auf Glasewalds Initiative hin wird 1881 der „Casseler Philatelisten-Club“ gegründet. 1883 geht er als erster gelernter Briefmarkenhändler nach Hamburg zum Markengroßhändler Goldner. 1885 folgt er dem Ruf der Firma J.H. Dauth nach Frankfurt a.M., wo er als Geschäftsführer tätig wird und gleichzeitig die Redaktion der „Frankfurter Briefmarken-Zeitung“ übernimmt.

1886 kehrt A. E. Glasewald in seine Heimat nach Gößnitz zurück und errichtet hier am 15. März d. J. selbst eine Briefmarkenhandlung. Am 3. Dezember 1889 heiratet er Klara Helene Gabler aus Naundorf bei Gößnitz und nur wenige Wochen später, am 29. Dezember 1889, gründet Glasewald den Deutschen Philatelistenverband Gößnitz, in welchem er das Amt des ersten Schriftführers bis zu seinem Tode ausübte. Er war nicht nur Briefmarkenhändler, sondern auch und vor allem ein Sammler und Publizist. Für seine literarischen Verdienste sowie die Verdienste um die Deutschen Philatelistentage erhielt er 1920 die Lindenberg- und 1925 die Hans-Wagner-Medaille. Seine Bedeutung als Philatelist wird u.a. deutlich durch seine Tätigkeit als General- und Spezialprüfer, seit 1899 Leiter und seit 1901 Geschäftsführer der Bundesprüfstelle, wo er als Bekämpfer des Fälschungsunwesen wirkte. Zudem regte er als erster die Ausgabe von Wohlfahrtsmarken an.

Von der ansehnlichen Zahl philatelistischer Werke, deren früheste er übrigens unter Pseudonym veröffentlichte, sollen nur einige wenige genannt werden: „Die Postwertzeichen von Griechenland. Nach den neuesten Forschungen“ 1896, „Die Post im Kriege. Beiträge zur Geschichte der Feldpost“ 1914, Redaktion des „Handbuchs der deutschen philatelistischen Literatur“ 1916, „Handbuch der deutschen Privatpostzeichen“ (unvollständig), und „Thurn und Taxis in Geschichte und Philatelie“ 1926, nach seinem Tode. Dazu kommt noch eine Anzahl von herausgegebenen und redaktionell betreuten Philatelisten-Zeitschriften sowie gedruckte Vorträge in anderen philatelistischen Werken.

Neben der Philatelie gehörte auch die Familienforschung und Heimatkunde zu Glasewalds beliebten Beschäftigungen. Das 1914 auf seine Anregung hin gegründete Heimatmuseum in Gößnitz, dessen Aufsicht er über viele Jahre ehrenamtlich übernahm, verdankt ihm den weitaus größten Teil seiner Bestände und nur die Mitarbeiter des heutigen Heimatmuseums können nachvollziehen, was und wieviel von jener Sammlung die Zeitenwenden überdauert hat und auf uns gekommen ist. Die Familienforschung Glasewalds gipfelten 1908 im Erscheinen des „Stammbuchs des Geschlechts Glasewald“ mit einem Stammbaum. Den Heimatforschern ist A. E. Glasewald als Verfasser der Chronik seiner Vaterstadt bekannt geworden. Seine 1910 im Verlag seiner eigenen Buchhandlung erschienene „Chronik der Stadt Gößnitz“ hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren und wurde vor Jahren als Reprint neu aufgelegt. Sie ist noch heute unverzichtbarer Bestandteil jeder heimatgeschichtlichen Bibliothek.

Mit dem Neubau eines Wohnhauses in der heutigen Walter-Rabold-Straße hatte Glasewald gleichzeitig ein sog. Philatelistenheim errichtet. Die um die Ecke bei jenem Haus befindliche Straße wurde später nach ihm benannt. Seinen Briefmarkenhandel übergab er 1922 an seinen Sohn Georg, welcher diesen in Hamburg weiter betrieb. Am 16. September 1926 starb A. E. Glasewald und wurde drei Tage später im Erbbegräbnis seiner Familie auf dem Gößnitzer Friedhof beigesetzt. Dort erinnert eine zum ersten Todestag gestiftete Gedenktafel an den großen Philatelisten. Wenige Tage nach seinem Tode gründete der Ortsverein Meerane die A.E.Glasewald-Stiftung, verbunden mit der Stiftung einer Glasewald-Medaille, welche seit 1928 in unregelmäßigen Abständen verliehen wird. Da die Verleihung der Medaille in ihrer ursprünglichen Form durch die Wirren der Zeit eingestellt worden ist, wird diese Medaille seit 1952 von der Vereinigung der Privatpostsammler „Merkur“ verliehen, 2016 bereits zum 35. Male. Das auf der Vorderseite der Medaille eingravierte Bildnis Glasewalds erinnert an den „Altmeister der Privatpost-Philatelie“.

Quellennachweis beim Autor.
 Andreas Klöppel (Mai 2017)

Zurück zum Seiteninhalt